Veränderung
„Das einzig Stetige im Leben ist der Wandel“, das wusste schon der griechische Philosoph Heraklit von Ephesos.
Und doch tun wir Menschen uns oft schwer mit der lieben Veränderung.
Wir kämpfen gegen sie an, alles soll möglichst so bleiben, wie es ist. Oder doch nicht?
Irgendwie soll alles gleich bleiben – nur eben anders.
Wir klammern uns an Jobs, an Beziehungen, an Gewohnheiten. Sie geben uns ein Gefühl von Sicherheit. Eine Sicherheit, die Beständigkeit vorgaukelt – und manchmal auch Kontrolle.
Von Geburt bis zu unserem Tod durchlaufen wir unzählige Zyklen: Wir lernen zu laufen, zu sprechen, zu lesen. Wir lernen zu fallen und wieder aufzustehen. Wir verändern uns ständig – nicht nur körperlich, sondern auch innerlich. Keiner von uns ist noch die selbe Person, wie vor 10 Jahren. Wir sammeln neue Erfahrungen, Sichtweisen und Erkenntnisse.
Veränderung kann beängstigend sein. Sie kann uns das Gefühl geben, keine Kontrolle zu haben. Sie kann aber auch groß, wunderschön und wertvoll sein. Tatsächlich sind all das Bewertungen – denn Veränderung an sich ist neutral.
Was wir aus ihr machen, liegt bei uns.
Sehen wir sie als Feind? Als Gegner? Oder nehmen wir sie an, so wie sie ist?
Wir Menschen neigen dazu, in Kategorien zu denken: richtig oder falsch, gut oder böse. Bewertungen, die aus unserer individuellen Perspektive heraus entstehen.
Ein Baum zeigt uns diesen Wandel sehr klar:
Im Frühling bilden sich neue Knospen und Triebe, im Sommer trägt er Früchte, im Herbst lässt er seine Blätter los und bereitet sich auf den Winter vor. Im Winter sammelt er Kraft für den nächsten Frühling. Ein ständiger Kreislauf.
Ein Baum würde im Herbst nicht seinen Blättern nachtrauern oder aufzählen, was er alles verloren hat. Er würde sich nach einem Sturm nicht zornig gegen den Himmel richten, weil ein Ast gebrochen ist.
Er nimmt es hin. Und lässt Neues wachsen.
Der Baum gibt sich dem Kreislauf der Natur vollkommen hin.
Wir Menschen hingegen beklagen uns im Winter über die Kälte und im Sommer über die Hitze. Veränderung, die weh tut, schieben wir von uns. Veränderung, die sich gut anfühlt, laden wir ein und halten sie fest.
Dabei braucht es doch auch gerade die unschönen Lektionen des Lebens.
Manchmal frage ich mich:
Wie wäre mein Leben, wenn alles für immer so bleiben würde, wie es jetzt ist?
Ohne Tiefen.
Ohne Reibung.
Ohne Wandel.
Mein Fazit: ziemlich langweilig.
Veränderung bietet uns die Chance zu wachsen, Neues zu entdecken und nicht im Stillstand zu verharren. Sie fordert uns auf, Verantwortung zu übernehmen und in unsere eigene Kraft zu kommen.
Für mich persönlich ist Veränderung ein unaufhaltsamer Prozess des Lebens – und es ist meine Entscheidung, wie ich ihm begegne.
Zählen für mich nur die Blätter, die ich im Sturm verloren habe oder erkenne ich auch an, was ich gerade durch den Verlust gewonnen habe? Erlaube ich mir auch die wunderbaren Früchte zu sehen, die ich mir selbst geschenkt habe?
Ohne Veränderung wäre ich nicht die Person, die ich heute bin –
und auch nicht die, die ich morgen sein werde.